Querschläger
Tunten und Schwuchteln
Eine Bar in Köln. Man schaut zu, wie die Bayern 70 Minuten lang überfordert sind gegen ein taktisch überlegenes Milan.
Die Sympathie der Kölner für den FCB ist mir neu, aber hier geht es ja nicht um den Verein, sondern um die Fünf-Jahres Wertung.
Also feuert man die Münchner an und sucht nach Angriffsfläche bei den Italienern. Da ertönt er, der altbekannte Ausdruck der Homophobie, den ich schon eher, spätestens nach dem 1:0, erwartet hatte: “Duuu Schwuuuchtel!!!”.
Ambrosini hat eine sanfte Berührung von Salihamidzic zum Anlass genommen, sich im Gras zu wälzen. Geschickt, so nennen das die Italiener gemeinhin; unsportlich nennen es die Engländer.
So unterscheidet sich die Bewertung der Zuhilfenahme fragwürdiger Mittel im Sport von Land zu Land. Was das mit der sexuellen Orientierung zu tun haben soll, hat sich mir allerdings noch nie erschlossen.
Der Schreihals jedenfalls sieht sich im Recht. Kurze Stille tritt ein nach seiner Bemerkung, Obacht, politische Unkorrektheit. "Is´ doch wahr" rechtfertigt er sich. Verhaltene Zustimmung. Er bekommt Oberwasser.
86. Minute, es sieht schlecht aus für die Bayern, 1:2, der unberechtigte Elfmeter tat ein Übriges zur gereizten Stimmung. Santa Cruz wird eingewechselt, der Schreihals fällt vom Glauben ab: "Die Tunte kannste draußen lassen, der hat doch keine Eier in der Hose."
Woher kommt diese häufig auftretende Aversion gegen gleichgeschlechtlich Orientierte im Fußball?
Fußballfans sind eben Proleten heißt es meistens. Das ist freilich Unsinn. Der Schreihals war teuer gekleidet, seine Erscheinung ließ auf gutes Einkommen und durchschnittliche Bildung schließen.
Fußball ist Volkssport, weil seine Anhänger die zahlreichsten aller Sportarten in Deutschland und in allen Schichten aufzufinden sind. Ich bin kein Soziologe, aber Fußballfans sind wohl die einzigen Anhänger einer Sportart in Deutschland, deren Soziogramm repräsentativen Charakter für die Gesamtbevölkerung haben könnte.
Es ist offenbar so, dass Vorurteile und Abneigungen gegen Schwule noch immer in weiten Teilen der Bevölkerung vorherrschen. Sie kommen lediglich nicht ständig zum Vorschein. Nur manchmal, wenn Emotionen Überhand nehmen und Deutschland in der Fünf-Jahres Wertung hinter Rumänien zurückfallen könnte.
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Danke - das musste mal gesagt werden! -
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[...und da denkt man, in KÖLN wären die Heteros schon fast in der Minderheit...
Vielleicht ist es zu platt - aber in viellen Fällen wird man hinter diesen Sprüchen jede Menge Unsicherheiten entdecken können. Genauso inakzeptabel sind pseudo-lustige Sprüche in Richtung Rassismus. Das Motto “beim Fussball darf man das, da gehört Rumprollen dazu und ist ja gar nicht ernst gemeint” sollte man da nicht gelten lassen. -
Kein Wunder, dass sich noch kein Schwuler in der Bundesliga geoutet hat. Falls es doch mal jemand wagt, kann jedenfalls niemand sagen, er hätte keine Eier!
na, find ich jetzt nich so prickelnd
Solche Ausrufe in Köln? Is das nicht genauso, als würde in einer Nürnberger Kneipe jemand “Bratwurst-Fresser” rufen?
Sorry, der Gag mußte raus…